Ein "Glück auf!" vom Minister
Lob für Innovationsfreudigkeit der Crailsheimer Stadtwerke
- Großes Echo in der Fachwelt
Zu seinen "innovativen Stadtwerken"
beglückwünschte Umweltminister Sigmar Gabriel Crailsheims
Oberbürgermeister Andreas Raab. Bergmannssohn Gabriel wünschte
den Stadtwerken ein herzliches "Glück auf!"
ANDREAS HARTHAN

22 000 Tonnen Klärschlamm und 65 000 Tonnen Holzhackschnitzel
werden in dem Biomasseheizkraftwerk in Waldeck jährlich
verarbeitet. In wenigen Wochen soll die Testphase abgeschlossen
sein. Foto: Andreas Harthan
Dinkelsbühl/Crailsheim Im Endausbau
verarbeitet das Biomasseheizkraftwerk in Waldeck 22 000 Tonnen
Klärschlamm im Jahr - und leistet damit einen wesentlichen
Beitrag zum Umweltschutz. Umweltminister Sigmar Gabriel wünschte
den Crailsheimer Stadtwerken - sie haben die Anlage konzipiert
- nicht nur ein herzliches "Glück auf!", sondern
auch viele Nachahmer.
Wobei Abkupfern nicht im Sinne der Stadtwerke wäre. Um
das zu verhindern, wollen sie die Anlage, die ein Biomassekraftwerk
mit einer thermischen Mineralisierungsanlage kombiniert, patentieren
lassen. Über Interesse an dem Werk freuen sich die Stadtwerke
hingegen schon. Die Anlage, die durch ihre Kraft-Wärme-Kopplung
einen unglaublich hohen Wirkungsgrad von 80 Prozent erreicht,
stößt in der Fachwelt auf große Resonanz. Schon
vor der Inbetriebnahme des Kraftwerks sind Delegationen vor
Ort und lassen sich über das zukunftsweisende "Crailsheimer
Modell" informieren.
Das in Europa einmalige Pilotprojekt hat übrigens
auch eine politische Dimension, die nicht unterschätzt
werden darf. Die 27 Gesellschafter der Klärschlammverwertungs
(KSV)-GmbH, heißt es in einer Pressemitteilung, machen
sich unabhängig von "Energie-Oligarchen" und
behalten die Stellschraube für die Kalkulation ihrer kommunalen
Müllgebührenhaushalte in der Hand. Und die KSV-Gesellschafter
- unter ihnen auch die Stadt Crailsheim - sparen "auf mittlere
und lange Sicht gutes Geld".
Zunächst einmal wird die Klärschlammentsorgung, die
ja jetzt zu einer umweltfreundlichen Verwertung wird, teurer.
Bisher mussten Transport- und Deponiegebühren in Ostdeutschland
bezahlt werden, nun muss die 34 Millionen teure Anlage zwischen
Crailsheim und Dinkelsbühl finanziert werden. Im Fall Crailsheim
macht das 250 000 Euro mehr aus. Künftig müssen 570
000 Euro im Jahr für die Beseitigung der fast 6000 Tonnen
Klärschlamm, die jährlich in der Stadt anfallen, bezahlt
werden.
Umweltschutz gibts eben nicht zum Nulltarif. Das sieht auch
Umweltminister Gabriel so. Er verwies bei seinem Besuch vorgestern
in Waldeck auf weiter steigende Kosten für Ver- und Entsorgung.