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FLZ, Lokales, 28. November 2002

Landtagsabgeordnete Christa Naaß plädierte beim Herbstempfang der Dinkelsbühler SPD für Reformen im Bildungssystem

Zu viele Schulabgänger ohne Abschluss und zu wenig Akademiker

Auch deutlich bessere Finanzausstattung der Kommunen gefordert - Kritik am Ministerpräsidenten: "Wir sehen ihn fast nicht"

DINKELSBÜHL (ue) - Für veränderte Bildungsangebote, ausgedehnte Kinderbetreuungsprogramme und eine moderne Familienpolitik sprach sich beim Herbstempfang des SPD-Ortsvereins Dinkelsbühl die Landtagsabgeordnete Christa Naaß aus. Die Politikerin aus Haundorf bei Gunzenhausen, die im Übrigen Bezirksvorsitzende ihrer Partei ist, stellte den Dinkelsbühler Genossen ihre Positionen im Hinblick auf die Landtagswahl 2003 vor, für die sie als Direktkandidatin im neu gebildeten Stimmkreis Ansbach-Süd / Weißenburg-Gunzenhausen nominiert ist.

Bernd Lober, stellvertretender Vorsitzender der SPD in Dinkelsbühl, begrüßte die Gäste des Abends, Paul Beitzer, Stadtrat, und Elke Held-Bartsch, Kreis- und Bezirksrätin, eröffneten den Empfang: Beitzer, zufrieden mit der Arbeit des Ortsvereins, das Industriegebiet Waldeck habe man ebenso vorangetrieben wie die Verkehrsberuhigung im Wassertrüdinger Viertel und Radwege vielerorten. Nach der ersten, oft auch nur "gespielten Aufregung" heute werde man bald erkennen, daß die SPD Konzepte entwickle, die über den Tag hinaus auch in Jahren noch von weitreichender Bedeutung seien.
Stadt-, Kreis- und Bezirksrätin Elke Held-Bartsch stimmte Beitzer zu, warnte vor übertriebener Aufgeregtheit und übergab das Wort an Christa Naaß, die dazu aufrief, nach Stoibers Niederlage beim Kanzler-Duell endlich zur Tagesordnung zurückzukehren und statt maßloser Polemik gegeneinander auch in Bayern wieder Politik zu treiben, miteinander und in konstruktiver Zusammenarbeit.
Dies könne gelingen, zeigte sich die Landtagsabgeordnete überzeugt, wenn Edmund Stoiber als bayerischer Ministerpräsident öfter im bayerischen Landtag erschiene ("Wir sehen ihn fast nicht!") und wenn er, statt intern und auf Parteitagen öffentlich eine "aggressive, angst- und bangemachende Tonart" anzuschlagen, "die vielen vernünftigen und konstruktiven Vorschläge" der bayerischen SPD im Landtag nicht länger ignorierte - als ob es in Bayern keiner Opposition bedürfe.
Problemlösungen aber seien nötig, denn Probleme gäbe es auch in Bayern viele, etwa in den Bereichen Bildungs-, Familien- und Finanzpolitik: Etwa zehn Prozent der Schulabgänger in Bayern, berichtete die Politikerin, erreichten keinen Schulabschluß, und weit über 4000 Nachwuchsakademiker holte Bayern pro Jahr aus anderen Bundesländern - oder aus dem Ausland - nach Bayern, weil der bayerische Freistaat den eigenen Bedarf auf Grund zu weniger Hochschulabsolventen von sich aus nicht decken könne. Es sei eben zu kurz gedacht, nur wenige auszulesen und nur diese wenigen ausreichend zu fördern.
"Es kann nicht länger hingenommen werden", betonte die Landtagsabgeordnete, die dem Ausschuß für Gemeindefragen und innere Sicherheit angehört, "dass die CSU-Staatsregierung immer mehr Aufgaben auf die Kommunen verlagert und ihnen den finanziellen Ausgleich dazu verwehrt." Bayerns Kommunen "verhungerten so am ausgestreckten Arm". Der Freistaat gebe seinen Städten, Gemeinden und Landkreisen die bundesweit geringste Schlüsselzuweisung.

An der richtigen Stelle sparen

"Nur reiche Bürgerinnen und Bürger können sich einen schwachen Staat leisten." - Die Sozialdemokratin plädierte dafür, Justiz, Polizei und Finanzbehörden finanziell und personell besser auszustatten - und stattdessen "an der richtigen Stelle" zu sparen. Der oberste Rechnungshof habe Vorschläge gemacht: So könne man drei Ministerien zusammenlegen (Landwirtschaft, Umwelt, Verbraucherschutz) und die Ausgaben der bayerischen Staatskanzlei erheblich kürzen: Die bayerische Staatskanzlei leiste sich mehr Angestellte und einen höheren Haushalt als das Weiße Haus in Washington.
"Überall werde eingespart", empörte sich Naaß, Feuerwehr, Sportverein, Verbände, "alle fahren zurück" - aber die Staatskanzlei blähe sich auf: Ob Dienstreisen, Werbungskosten oder Einrichtung einer neuen Servicestelle, die Staatskanzlei stocke ihre Mittel auf - während man gleichzeitig für alle anderen Ministerien eine Haushaltssperre verfügt habe. Hinsichtlich des näher rückenden Landtagswahltermins hoffe sie auf Fairness: "Wir brauchen eine sachbezogene Auseinandersetzung, keine polemischen Parolen." Auch keine Wahlversprechen, "die später nicht zu finanzieren sind".
Peter Kreutz, erster Vorsitzender der SPD in Dinkelsbühl, beendete schließlich den Herbstempfang der Sozialdemokraten, auch er hoffe, daß Stoiber - wie Strauß einst nach verlorener Wahl - bald nach Bayern zurückkehrte und aufhörte, "wahlzukämpfen". Otto Sparrer hingegen, als Oberbürgermeister der Stadt noch später Gast und letzter Redner des Abends, dankte in seinem Grußwort der Dinkelsbühler SPD für die konstruktive, auch kritische Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene "immer zum Wohle der Stadt Dinkelsbühl".
Im Rahmen des Herbstempfanges wurden auch einige Mitglieder für langjährige Zugehörigkeit zum Ortsverein ausgezeichnet, nämlich für 50 Jahre Karl Fischer, für 40 Jahre Ludwig Männche, für 30 Jahre Paul Beitzer, Günter Kircher und Hermann Rühl, für 25 Jahre Friedrich Kolb und für 20 Jahre Otto Bach.


 
   
   
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