| > Kommunalpolitik |
 |
| >
Impressum |
 |
| |
| |
| |
| |
|
Zitat des Tages:
|
| |
| |
|
"Des Volkes Wohl ist unserer Arbeit Ziel
!"
|
| |
|
Bürgermeister Karl Ries nach Friedrich
Ebert
|
| |
| |
|
 |
| |
|
|
|
Kommunalpolitik - Themen aus
der Stadtpolitik |
| |
|
| |
|
| |
|
| |
Thesen zur Stadtentwicklung Dinkelsbühls |
| |
|
| |
Ausgangspunkt unserer Thesen ist die Situation unserer
Kernstadt, der Altstadt. Mit den dort anzusiedelnden Problemen beschäftigt
sich dieses Papier zunächst und zuerst. Von den Notwendigkeiten
zur Erhaltung einer lebendigen und lebenswerten Altstadt ausgehend,
sind Lösungsansätze mit Blick auf eine nachhaltige Stadtentwicklung
erarbeitet worden. |
| |
|
| |
A. Problembeschreibung |
| |
|
| |
Die derzeitige Situation unserer Altstadt ist gekennzeichnet
durch ein Bündel von Problemen. Die wichtigsten Problempunkte
sind in der Folge einzeln dargestellt und analysiert.
1. Verkehr
Der Verkehr stellt innerhalb der Altstadt seit langem ein besonderes
Problem dar, droht doch der Kernbereich Dinkelsbühls in der
rollenden Blechlawine buchstäblich zu ersticken. Das Problem
des Verkehrs spaltet sich auf in zwei Problemgruppen: den rollenden
Verkehr und den ruhenden Verkehr (parkende Autos).
a) rollender Verkehr:
Die bloße Anzahl der in der Altstadt sich bewegenden Fahrzeuge
hat in den vergangenen Jahren stetig in teilweise sprunghafter Weise
zugenommen. Verursacht wird dieses Verkehrsaufkommen von drei Gruppen:
(1) Von den in der Altstadt wohnenden Menschen, die zu ihren Wohnungen
oder von diesen weg fahren, bzw. den in der Altstadt ansässigen
Geschäftsleuten.
(2) Konsumenten, die in die Altstadt einfahren, um dort Einkäufe
/ Geschäfte zu tätigen.
(3) Durchfließender Verkehr, der die Altstadt lediglich durchquert
ohne dort anzuhalten.
Besonders die dritte Gruppe hat den jüngsten Erhebungen zufolge
nach wie vor einen erheblichen Anteil am Verkehrsaufkommen in der
Altstadt erreicht.
Durch das hohe Aufkommen an fließendem Verkehr ergibt sich
eine Reihe an Folgeproblemen: Stausituationen an wichtigen Kreuzungspunkten
(Toreinfahrten, besonders Wörnitz- und Nördlinger Tor,
mit teilweise erheblichem Rückstau auf Wörnitzstraße
und Altrathausplatz bzw. Nördlinger Straße; Marktplatz
mit erheblichem Rückstau sowohl in Richtung Ledermarkt als
auch in Richtung Segringer Straße als auch in Richtung Weinmarkt),
erhebliche Behinderungen des Fußgängerverkehrs, hohe
Lärm- und Abgasbelastung.
b) ruhender Verkehr
Neben dem rollenden Verkehr ergeben sich aus parkenden Autos eine
Reihe von Problemen. Zunächst hat auch hier die Anzahl der
Fahrzeuge in den letzten Jahren eine bedenkliche Größe
erreicht. An den an wichtigen Straßen (Segringer Straße,
Weinmarkt, Dr.-Martin-Luther-Straße, einige Gassen) wird in
der Regel auf beiden Straßenseiten geparkt. Dies führt
zu manchmal erheblichen Behinderungen des zahlenmäßig
starken rollenden Verkehrs (besonders Segringer Straße). Ein
zeitlich jeweils begrenztes Problem stellen die Touring-Busse am
Schweinemarkt dar, die während ihrer Fahrplanpause die Durchfahrt
durch die Bauhofstraße erheblich behindern. Neben der allgemeinen
Verkehrsbehinderung beeinträchtigen die parkenden Blechlawinen
das Erscheinungsbild der Altstadt nachhaltig.
2. Gewerbe
In der Altstadt hat sich ein schleichender Prozeß der Gewerbeausdünnung
in den vergangenen Jahren verstärkt. Folge ist, daß bestimmte
gewerbliche Bereiche, so z.B. Lebensmittelmärkte (nicht Lebensmittelgeschäfte),
die früher stark vertreten waren, jetzt nicht mehr in der Kernstadt
vorhanden sind. Eine Konzentration auf bestimmte Branchen ist bemerkbar:
Hotel- und Gaststättengewerbe, touristischer Einzelhandel,
ausgewählter Einzelhandel (Haushaltswaren, Bücher, Spielwaren,
Lebensmittel, Kleidung, Fotographie), Handwerksbetriebe aus dem
Bereich Lebensmittel (Bäcker, Metzger), Banken, Fahrschulen.
Auffallend ist, daß auch in den eben genannten Bereichen einzelne
Betriebe aus der Altstadt wegziehen oder aufgeben.
In einzelnen früher stark gewerblich genutzten Teilen der Stadt
(z.B. Turmgasse) ist eine bedauerlicher Rückgang gewerblicher
Aktivität festzustellen.
3. Allgemeine Mängel
Neben den genannten Defiziten sind allgemeine Mängel in der
Altstadt zu bemerken:
- die Pflasterungen einiger Straßen und Plätze ist schad-
und mangelhaft, so daß sich neben der ästhetischen Beeinträchtigung
ein hohes Gefahrenpotential ergibt.
- Fehlende Begrünung (nicht allein fehlende Bäume, sondern
Bepflanzung im weitesten Sinn) in weiten Bereichen der Stadt
- Fehlende Ruhezonen, die meisten Plätze in Dinkelsbühl
sind öd, grau, leer und laden zum Beparken ein. Ruhebänke
sind bis auf wenige Ausnahmen kaum vorhanden. Ein ansprechender
Platzcharakter ist fast nirgendwo gegeben.
4. Leerstehende oder offensichtlich unzureichend genutzte Gebäude:
- Altes Rathaus: Das Gebäude ist in schlechtem Zustand, innen
wie außen. Bis auf Malschule und Kinderzech´-Kostümfundus
wird das Haus nicht genutzt
- Spital: Die von der Hospitalstiftung selbst genutzten Gebäudeteile
(Rüstigen- bzw. Pflegeheim) sind in ordentlichem baulichen
Zustand und von der Gebäudenutzung her dazu geeignet.
Das Kunstgewölbe kann wegen seines baulichen Zustandes (enger
Raum, keine Alarmanlage, Pinnwände als Ausstellungsflächen,
teilweise unzureichende Beleuchtung der Ausstellungsobjekte) nur
für regional bedeutende Projekte verwendet werden, der Konzertsaal
ist wegen der nach wie vor provisorischen Beleuchtung und wegen
des schadhaften Konzertflügels nur begrenzt seinem Zweck nach
zu nutzen.
Das Museum nutzt nur gut die Hälfte des belegten Gebäudes
durch Ausstellungsfläche, das zudem baulich höchst schadhaft
ist.
- Gustav-Adolf-Haus: In baulich akzeptablem Zustand ist dieses Gebäude
überbelegt. Sowohl der Touristik-Service als auch die Stadtbibliothek
haben mit Raumnot zu kämpfen.
- Schranne: Äußerlich ist die Schranne renovierungsbedürftig.
Auch im Inneren ergibt sich Handlungsbedarf: Die Küche ist
wegen ihrer veralteten Küchentechnik für größere
Veranstaltungen nur sehr begrenzt nutzbar, die sanitären Anlagen
sind teilweise zu erneuern, ein behindertengerechter Ausbau ist
notwendig (Aufzug, Toilette), die bisherigen Ausbaumaßnahmen
für eine Theater- und Kongreßnutzung sind unzureichend
(der sog. Raumteiler hat allenfalls symbolische Bedeutung, die Sichtverhältnisse
zur Bühne sind auch nach der "Tribünenlösung"
noch schlecht, die Akustik ist tückisch [überholte Lautsprecher-
und Verstärkeranlage, Lüftungsgeräusch]).
- Rathaus: Die Ämter leiden unter den beengten Verhältnissen
im Gebäude. Besonders das Archiv hat mit Platznot zu kämpfen.
- Künßberghaus: Nach dem Auszug der meisten Mieter steht
das Gebäude nahezu leer, im Erdgeschoß befindet sich
jedoch eine Garderobe des Fränkisch-Schwäbischen-Städtetheaters,
die während der Sommerfestspiele auf der Freilichtbühne
intensiv genutzt wird.
- Bauhofscheune: Nach der äußerlichen Renovierung vor
einigen Jahren fügt sich der Bau mittlerweile wieder harmonisch
in das Stadtbild der Bauhofstraße ein. Fraglich ist nach wie
vor eine angemessene Nutzung. |
| |
|
| |
B. Ursachenanalyse |
| |
|
| |
Zu jedem Punkt der Problembeschreibung unter A. wird
hier eine Ursachenanalyse versucht.
1. Verkehr
a) Die Zunahme des rollenden Verkehrs hat verschiedene Gründe.
Zu einen hat der Individualverkehr allgemein in den zurückliegenden
Jahren stark zugenommen. Zum anderen hat die Altstadt eine unzureichende
Verkehrsleitung (Beschilderung, besonders der altstadtnahen Parkplätze
und der Umfahrungsmöglichkeiten) und Verkehrsführung (Streckenführung).
Für den nur durchfließenden Verkehr ist ein plausibler
Grund nicht ersichtlich, Umgehungsstraßen um die Altstadt
sind vorhanden und in gutem Ausbauzustand.
b) In der Altstadt stehen wenige markierte Parkflächen einer
großen Zahl an nicht markierten Flächen gegenüber.
"Wildes Parken" ist die Folge. Eine hohe Zahl an Parksündern
hebeln den Parkscheibenzwang und den damit eigentlich verbundenen
stündlichen Fahrzeugwechsel auf dem jeweiligen Parkplatz durch
"Parkscheibendrehen" aus. Ein Parkleitsystem zu den direkt
vor der Altstadt gelegenen Parkplätzen ist so gut wie nicht
vorhanden. Die derzeitige Parkplatzbezeichnung ist kryptisch und
nur Eingeweihten verständlich ("C1"). Die Ausweisung
der Busstellplätze ist lückenhaft. So ist der Parkplatz
"Stadtmühle" meist gut belegt während auf dem
Parkplatz "Schwedenwiese" regelmäßig nur wenige
Fahrzeuge abgestellt sind. An den altstadtnahen Parkplätzen
fehlen Tafeln mit touristischen Hinweisen einerseits und Angaben
zu nahegelegenen Zugängen zur Altstadt andererseits.
2. Gewerbe
Die Ausdünnung des Gewerbes hat drei wesentliche Ursachen:
a) Das Platzangebot in den Altstadthäusern läßt
eine moderne Geschäftsgestaltung in manchen Gewerbebereichen
nicht zu, da dort der Platzbedarf größer ist, als er
in der Altstadt auch durch Zusammenlegung von Häusern (was
meist nur zu einer nicht ausreichenden Kompromißlösung
führt) geschaffen werden kann. Das Gewerbe sucht sich das im
gegebenen Rahmen optimale Angebot, das bei größeren Unternehmungen
(z.B. Märkte) eindeutig vor der Altstadt zu finden ist. Für
den Einzelhandel, das Hotel- und Gaststättengewerbe und den
Dienstleitungssektor besteht in der Altstadt eine ausreichende Angebotssituation.
b) Ursachen in den Firmen selbst: kein Geschäftsnachfolger,
mangelndes Personal, in einigen Ausnahmefällen fehlende Dienstleistungsbereitschaft
der Inhaber und der Angestellten (Umgang mit Kunden, wenig nachfrageorientierte
Sortimentsanpassung).
c) Teilweise spielen im Vergleich hohe Ladenmieten und Instandhaltungskosten
eine Rolle, die nur schwer wieder zu erwirtschaften sind.
Daneben bleibt festzuhalten, daß die Altstadt trotz allen
Problemen, die gerne übertrieben dargestellt werden, noch eine
erhebliche Bandbreite an vertretenem Gewerbe hat und über eine
vielgestaltige Geschäftslandschaft verfügt. Die meisten
der sog. "innenstadtrelevanten Geschäftszweige" sind
in unserer Altstadt noch vertreten.
3. Allgemeine Mängel
Ursache sind beschränkter finanzieller Spielraum der Stadt,
Versäumnisse in den zurückliegenden Jahrzehnten und teilweise
entgegenstehender politischer Wille (dies betrifft besonders die
Frage der Begrünung, die in der Verwaltung auf harten Widerstand
stößt)
4. Gebäude
In vielen Fällen sind die beschränkten finanziellen Mittel
der Grund für die Probleme. In einigen Fällen fehlt der
politische Wille in Stadtrat und Verwaltung (Kunstgewölbe,
Konzertsaal, teilweise Museum). Fehlende Gestaltungs- und Nutzungskonzepte
(Museum, Altes Rathaus, Künßberghaus, Bauhofscheune)
spielen ebenso eine Rolle wie Versäumnisse in Planung und Ausführung
von Umbaumaßnahmen (Schranne). In den Fällen von Touristik-Service
und Bibliothek muß der gestiegene Platzbedarf als Ursache
gelten. |
| |
|
| |
C. Lösungsansätze |
| |
|
| |
1. Verkehr:
Die steigende Anzahl der Fahrzeuge des Individualverkehrs wird sich
allein in Dinkelsbühl nicht reduzieren lassen. Mögliche
Maßnahmen liegen beim ruhenden wie beim fließenden Verkehr
allein bei verkehrslenkenden und verkehrsleitenden Maßnahmen.
a) Der Durchgangsverkehr ohne Stop in der Altstadt muß nach
Möglichkeit unterbunden werden. Mehrere Ideen zur Lösung
dieses Problems wurden in der Vergangenheit diskutiert. Zwei davon
kamen in letzter Zeit in die vertieftere Diskussion:
b) Die Sperrung des Marktplatzes vor den Häusern "Goldene
Rose" und "Löwenapotheke" wurde besonders vom
Arbeitskreis der lokalen Agenda 21 favorisiert. So ergeben sich
zwei Schleifen: Nördlinger Straße, Ledermarkt, Altrathausplatz,
Wörnitztor bzw. Rothenburger Tor, Dr.-Martin-Luther-Straße,
Weinmarkt, Marktplatz, Segringer Straße, Segringer Tor. Eine
direkte Durchfahrtsmöglichkeit durch die gesamte Altstadt ergibt
sich dann nicht mehr. Eine Umgehung ist allenfalls durch einige
Gassen möglich.
c) Den zweiten Vorschlag einer Fußgängerzone über
den gesamten Bereich Weinmarkt / Marktplatz lehnen wir ab. Er mag
zwar unter dem Aspekt der reinen Reduzierung des Verkehrsaufkommens
zunächst wünschenswert erscheinen. Aber das Interesse
der Verbraucher und Ladeninhaber, die sich erreichbare Geschäfte
wünschen, steht dem eindeutig entgegen. Eine weitestgehende
Sperrung für den Verkehr würde dazu führen, daß
der Weinmarkt durch die Umleitung der Konsumenten, die nach wie
vor im wesentlichen autogebunden sind, gewerblich ausdünnt
und schließlich ähnlich der Turmgasse abstirbt.
d) Wir halten es für sinnvoll, zunächst den geringsten
Eingriff in die bestehende Situation in der Altstadt zu testen,
die Sperrung des kleinen Teilstückes am Marktplatz, bevor zu
einschneidenderen Maßnahmen, Ausweisung weiter Teile der Altstadt
als Fußgängerzone, gegriffen wird.
e) Wir treten dafür ein, die Verkehrssperrung des Marktplatzes
über einen längeren Zeitraum (mindestens sechs Monate)
zu testen, um die Auswirkungen auf das Verkehrsaufkommen und besonders
den u.U. zu erwartenden Umgehungsverkehr durch Wethgasse / Klostergasse,
Lange Gasse, Schreinersgasse abschätzen zu können. An
dieser Testphase wollen wir ausgewiesene Verkehrsexperten beteiligt
sehen. Außerdem ist bei der Gestaltung dieses "Pfropfes"
auf die Interessen der Anwohner und der anliegenden Geschäftsinhaber
durch frühzeitige Einbeziehung in die Planung Rücksicht
zu nehmen. Durch die Duchfahrtssperre am Marktplatz erhoffen wir
uns eine wesentliche Reduzierung des Durchgangsverkehres. Außerdem
ergeben sich dadurch ganz neue Möglichkeiten, was die Neugestaltung
des Marktplatzes angeht. Sollte diese Maßnahme denn erwünschten
Erfolg nicht bringen bzw. der Verkehr lediglich in die Gassen verlagert
werden, sind neue Lösungsansätze des Verkehrsproblems
zu finden.
f) Wir befürworten den Öffentlichen Personennahverkehr
(ÖPNV). Daher muß die bestehende Stadtbuslinie erhalten
werden. Sie kann erheblich dazu beitragen, Autoverkehr aus der Altstadt
fernzuhalten. Verstärktes Marketing für diese Einrichtung
würden wir begrüßen. Die, auch testweise, Wiederbelebung
der Landbuslinie dürfte nicht erfolgversprechend sein. Die
Voraussetzungen für einen erfolgreichen und kostendeckenden
Betrieb liegen nach wie vor nicht vor. Eine nennenswerte Steigerung
der Nachfrage nach diesem Verkehrsmittel ist nicht zu bemerken.
g) An einzelnen Straßen muß überprüft werden,
ob ein Parkverbot auf einer Straßenseite erlassen wird, besonders
in der Segringer Straße sehen wir dringenden Handlungsbedarf.
Dabei sind die Interessen der Anwohner, der Verbraucher und der
ansässigen Gewerbetreibenden zu berücksichtigen.
h) Über eine verstärkte Kontrolle der Parkscheiben / sog.
Kurzparker und u.U. eine Gebührenpflicht (Parkscheine) für
Kurzparker in der Altstadt ist nachzudenken (Parkscheinautomaten
können stadtbildneutral in Zwischenräumen von Häusern
und Nischen untergebracht werden, der Schweinemarkt ist nicht Vorbild
!). Die Parkplätze vor der Altstadt müssen aber auf jeden
Fall gebührenfrei bleiben, um einen verstärkten Anreiz
zur Benutzung zu schaffen !
i) Eine deutlich verbesserte Beschilderung der altstadtnahen Parkplätze
muß installiert werden. Endziel sollte hier langfristig ein
elektronisches Parkleitsystem von den wichtigsten Umgehungsstraßen
aus sein.
j) Der angestrebte Ausbau des Parkplatzes an der Alten Promenade
wird für die stadtnahen Parkflächen zusätzliche Kapazitäten
schaffen.
k) Wir wollen an den Parkplätzen Infotafeln, die über
die Stadt, ihre Sehenswürdigkeiten und deren Erreichbarkeit
verständlich und prägnant Auskunft geben.
l) Über ein Parkhaus / eine Parkgarage im Altstadtbereich muß
nachgedacht werden. Allerdings wollen wir hier eine Lösung,
die sich möglichst unauffällig in das historische Stadtbild
einfügt. Eine entsprechende bauliche Gestaltung ist möglich,
Beispiele in vergleichbaren Städten zeigen das, geeignete Flächen
in der Stadt sind vorhanden, wenn auch derzeit nicht im Eigentum
der Stadt.
m) Die bestehende Plakettenpraxis und das Ablösesystem für
Parkplätze für Bewohner und Gewerbetreibende in der Altstadt
hat sich weitestgehend bewährt.
2. Gewerbe
Wir wollen die noch vielfältige Gewerbestruktur in der Kernstadt
erhalten. Gleichzeitig erkennen wir die gewandelten Bedürfnisse
der Verbraucher und der Unternehmen an.
a) Grundsätzlich gehen wir davon aus, daß die Altstadt
nicht zusätzlich belebt werden, sondern am Leben erhalten werden
muß. Unsere Kernstadt ist nicht tot, sondern die derzeitige
Situation muß erhalten werden. Aus den beiden Haltungen ergeben
sich unterschiedliche Lösungsansätze
b) Wir sehen wegen der vorhandenen Gewerbeflächen (Raumangebot)
in der Altstadt v.a. eine Zukunft im Bereich des ausgewählten
Einzelhandels wie er in der Altstadt zur Zeit schon / noch vorhanden
ist. Es ist dringendste Aufgabe der kommunalen Wirtschaftspolitik,
diesen Bestand zu sichern und zu bewahren. Die Bedürfnisse
der Verbraucher und Einzelhändler sind daher von der Kommunalpolitik
besonders zu berücksichtigen:
- Gute Erreichbarkeit der Geschäfte zu Fuß muß
sichergestellt sein,
- Stellflächen für Autos müssen in fußläufiger
Nähe erreichbar sein,
- übermäßige bürokratische Hemmnisse bei Erweiterung
und Nutzungsänderung von gewerblich genutzten Gebäuden
sind zu vermeiden
- die Interessen des Denkmalschutzes und die des modernen Einzelhandes
müssen in ein vernünftiges Verhältnis gesetzt werden.
Ein verhältnismäßiger Ausgleich zwischen beiden
Interessen ist möglich !
- Städtische Rechtsvorschriften wie Baugestaltungssatzung und
Sondernutzungsverordnung müssen den Bedürfnissen angepasst
und flexibler gehandhabt werden. Es muß möglich sein,
zurückhaltend gestaltete Werbeaufsteller, kleine Warentische,
Blumenkübel u.ä. ohne große Verwaltungsverfahren
während der Geschäftszeiten aufzustellen.
c) Neben dem ausgewählten Einzelhandel sehen wir die Zukunft
der Altstadt hauptsächlich auf dem Dienstleistungssektor. Die
geplante Schaffung von für Dienstleistungsnutzung vorgesehenen
Flächen im Gebäude der ehemaligen Sparkassen-Hauptgeschäftsstelle
am Weinmarkt begrüßen wir ausdrücklich.
d) Die Stadt muß in Zukunft im Rahmen ihrer bauplanungsrechtlichen
Möglichkeiten die Schaffung von Dienstleistungsräumen
außerhalb der Altstadt genau prüfen. Das Angebot an Gewerbeflächen
außerhalb des Mauerrings muß eine Ergänzung des
Angebots in der Altstadt sein und keine Konkurrenz. Das Instrumentarium
dafür ist vorhanden.
e) Die Planung und der Bau von Gewerbeflächen außerhalb
der Altstadt muß von Seiten der Stadt planerisch langfristig
auf die Bedürfnisse der Sektoren von Handel- und Gewerbe abgestimmt
werden, die in der Altstadt nicht befriedigt werden können:
flächenintensive Märkte für Lebensmittel, Bekleidung,
Elektronik u.ä., die eine wichtige Abrundung des Einzelhandelsangebots
in der Kernstadt darstellen und aus Sicht der Verbraucher für
das "bevorzugt zu entwickelnde Mittelzentrum" Dinkelsbühl
wichtig sind. Flächen für mittelständische Betriebe
des fertigenden Gewerbes und der Industrie sind in ausreichendem
Maß in den alten Industriegebieten und v.a. in Waldeck vorhanden.
f) Als Mittelzentrum ist Dinkelsbühl in der Verantwortung auch
für die Umlandgemeinden. Ein umfassendes Einkaufsangebot liegt
nicht nur in unserem Interesse. Auch die Verbraucher im Umland profitieren
davon und davon profitiert Dinkelsbühl. Ein gutes Verhältnis
zu den Nachbargemeinden ist Voraussetzung für eine erfolgreiche
Regionalpolitik, so wie sie das Mittelzentrum Dinkelsbühl in
Zukunft zu betreiben haben wird. Dinkelsbühl ist eine Stadt
mit Umland !
g) Der Tourismus ist ein wichtiger Faktor für die Altstadt.
Er trägt entscheidend zu ihrer Belebung bei. Seine Förderung
darf aber nicht zum Hauptzweck der Altstadtpolitik werden. Eine
weitgehende Musealisierung unserer Stadt kann und darf nicht Ziel
sein.
h) Gezielte Maßnahmen zur Förderung des Fremdenverkehrs
unterstützen wir. Neben der Pflege des Stadtbildes gehören
für uns dazu besonders Maßnahmen auf kulturellem Gebiet.
Denn Kultur ist ein sog. Weichfaktor, der den Charakter einer Stadt,
besonders Dinkelsbühls, nach innen wie nach außen entscheidend
prägt. Wir wünschen uns daher:
- einen raschen und konzeptionell ausgereiften Umbau des historischen
Museums. Eine ehemalige freie Reichsstadt wie Dinkelsbühl,
die durch eine glückliche Geschichte ihr historisches Gepräge
weitgehend bewahren konnte, muß notwendigerweise über
eine Einrichtung verfügen, die diese Geschichte als Ergebnis
einer Entwicklung sichtbar und erläuternd erlebbar macht. Wir
bevorzugen dabei eine Lösung, die dem künftigen Historischen
Museum einen deutlichen thematischen Schwerpunkt und damit ein Stück
Unverwechselbarkeit verleiht. Ein weiteres allgemeines historisches
Museum, wenn auch auf die Stadtgeschichte abgestimmt, von denen
es schon zahlreiche gibt, halten wir für nicht sinnvoll.
- Das Theater stellt ein kaum hoch genug zu schätzendes Gut
unserer Stadt dar. Es trägt den Ruf Dinkelsbühls nach
ganz Süddeutschland und macht am Theater interessierte (deren
Zahl, besonders unter den Jugendlichen, ist in den letzten Jahren
kontinuierlich gestiegen) neugierig auf unsere Stadt. Der Bestand
des Theaters muß daher gesichert werden, seine materielle
Basis gewährleistet sein und eine von verwaltungsinternen Hemmnissen
weitestgehend befreite künstlerische Arbeit muß ermöglicht
werden.
- Veranstalter, die in Dinkelsbühl kulturelle Ereignisse organisieren
(Jazz-Keller, Jazz-Festival, Kammerkonzertreihe, Kneipen-Festival,
Blue Dog Attack, etc.) müssen von Seiten der Stadt wohlwollende
und flexible Unterstützung erhalten. Der Touristik-Servise
schließt diese Lücke im Moment durch eine Überbeanspruchung
seines Personals. Daher sollte endlich über eine hauptamtliche
Anlaufstelle im Bereich Kultur in der Verwaltung nachgedacht werden.
i) Einzelne Maßnahmen (zeitweise, aber regelmäßige
Sperrung des Weinmarktes für den Fahrzeugverkehr, u.ä.)
ohne grundlegenden Zusammenhang führen sicher nicht zum gewünschten
Erfolg. Sie können meistens nur auf eine Belebung der Altstadt
hinwirken, lösen aber nicht die Basisprobleme. Eine zusätzliche
Belebung der Kernstadt ist wünschenswert aber mittelfristig
nicht Kernziel der Altstadtpolitik.
j) Neben diesen Maßnahmen, die die Stadtpolitik ergreifen
kann, wünschen wir uns von den Bewohnern der Altstadt, den
dort ansässigen Gewerbetreibenden, den Inhabern von Hotels
und Gaststätten ein großes Engagement und Einsatz für
den Erhalt unserer Stadt. Bei vielen zeigt sich dieses Engagement,
indem sie gezielt in der Kernstadt leben, dort einen Laden unterhalten
oder ein Haus fachgerecht restaurieren. Dieser Einsatz verdient
den Respekt und die Unterstützung aller. Private und Stadt
können nur zusammen arbeiten, Engagement von beiden Seiten
ist notwendig.
3. Allgemeine Mängel:
a) Die Pflasterung von Marktplatz, Umgriff St. Georg und Weinmarkt
muß den kommenden Jahren erneuert werden. Dadurch bietet sich
uns die Chance und die Pflicht zur (Neu-) Gestaltung unseres städtischen
Zentrums. Dies wird die wichtigste Aufgabe der Stadtentwicklungspolitik
in den nächsten Jahren sein, dort eine Lösung zu finden,
die allen beteiligten Interessen gerecht wird: Schaffung eines ansprechenden
Stadtzentrums für Bewohner, Verbraucher, Gewerbetreibende und
Gäste, Plätze mit Atmosphäre, sinnvolle Verkehrsführung,
u.v.m. Grundlage für die Neugestaltung der genannten Flächen
muß aber ein zusammenhängender und mit der umliegenden
Bevölkerung abgestimmtes Gesamtkonzept sein, wie diese städtebaulich
sensible, aber prägende Fläche gestaltet werden kann.
Nicht nur die Pflasterung spielt dabei eine Rolle. Ein Gesamtplan,
der sich in Bauabschnitten realisieren läßt, muß
das Ziel sein !
b) Auf dem Weinmarkt sind der fließende Verkehr (in möglicherweise
gegenüber heute veränderter Verkehrsführung über
den Platz), der ruhende Verkehr (wenn auch mit etwas weniger, dafür
ausgewiesenen, Parkplätzen als jetzt) und städtebauliche
Aspekte (Begrünung, Bänke, Gastgärten) zu berücksichtigen.
c) Auf dem Marktplatz steht der Aufenthalts- und Erholungswert im
Vordergrund. Wir wollen dort die Schaffung einer innerstädtischen
Ruhezone mit Begrünung und Bänken rund um das Denkmal
Christoph von Schmid´s erreichen.
d) Vor St. Georg wünschen wir uns die Verwirklichung des Nikolaus-Eseler-Brunnens
in wirklich zeitgemäßen Formen. Eine Nachbildung historischer
und sogenannter historischer Vorbilder lehnen wir als unmotivierte
Kopie ab.
e) Die Neugestaltung unseres Stadtzentrums ist eine der wichtigsten
Aufgaben, die sich uns in naher Zukunft stellen, wir müssen
sie daher sorgfältig planen und dürfen nicht erneut Stückwerk
produzieren. Wir halten einen Gesamtplan der innerstädtischen
Flächen für notwendig, bevor mit der Sanierung einzelner
Abschnitte begonnen wird.
f) Wegen der geltenden Gesetzeslage im Baurecht (Bundesrecht, sowie
Bayerisches Landesrecht) muß die Stadt, wenn sie die Baumaßnahmen
an den Plätzen beginnt, von den Anwohnern und ansässigen
Gewerbetreibenden Erschließungsbeiträge erheben. Die
Stadt hat auf diese Gesetze keinen Einfluß. Wegen dieser finanziellen
Belastung, die die Anlieger zu tragen haben, müssen sie von
Anfang der Planungen an die Möglichkeit haben, sich aktiv am
Planungsprozeß zu beteiligen.
4. Gebäude:
- Altes Rathaus: Eine Änderung der dortigen Situation dürfte
bis auf weiters an den finanziellen Möglichkeiten scheitern,
da die Stadt eine Sanierung des Stadtzentrums und des Alten Rathauses
finanziell nicht verkraften würde. Wir aber halten die Neugestaltung
der innerstädtischen Plätze für vorrangig. Das Alte
Rathaus (hier wäre die Suche nach einem privaten Investor wünschenswert)
behalten wir trotzdem im Blick.
- Spital: Was Konzertsaal und Kunstgewölbe angeht, sollte ein
neues Konzept für die Nutzung der beiden Räume entwickelt
werden. Zum Museum siehe oben. In der Spitalscheune sehen wir einen
guten Standort für ein aus dem Rathaus ausgelagertes Stadtarchiv.
- Gustav-Adolf-Haus: Wünschenswert wäre wegen der zentralen
Lage des Hauses, wenn es komplett für den Touristik-Service
zur Verfügung stünde. Für die Bibliothek wäre
dann eine neue räumliche Lösung zu finden, die die Flächen
für die Aufstellung von Regalen erweitert, einen Leseraum beinhaltet
und gleichzeitig den Servicebereich ausbaut.
- Schranne: Die ausstehenden Stufen der Umbaupläne müssen
zügig realisiert werden. Was die Sichtverhältnisse beim
Theater angeht, ist eine Nachbesserung des derzeitigen Umbaustandes
unvermeidbar.
- Rathaus: Nach der Auslagerung des Stadtarchivs entstünde
dort zusätzlicher Raum, der mindestens zum Teil für die
Schaffung einer "Bürgertheke" nutzbar wäre,
einer zentralen Anlaufstalle für Bürgerinnen und Bürger
in allen Angelegenheiten der Verwaltung.
- Künßberghaus: Hier böte sich eine Lösung
für die Bibliothek an. Insbesondere wäre dort Ruhe zum
Lesen gewährleistet. Eine Lösung des Problems Theatergarderobe
dürfte möglich sein.
- Bauhofscheune: Eine Änderung der dortigen Situation dürfte
bis auf weiters an den finanziellen Möglichkeiten scheitern. |
| |
|
|
 |
 |
|
|
 |
|
Initiativen
|
|